Baubiologie Nürnberg - Uwe Dippold
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TÜV zertifiziert, geprüfte Qualifikation als Sachverständiger für Feuchte- und Schimmelpilzbelastungen
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Künstliche Mineralfasern - KMF



Künstliche Mineralfasern (Abkürzung: KMF) sind amorphe silikatische Fasern und werden unterteilt in
  • Mineralwollfasern (Glas-, Stein-, Schlackenwolle),
  • textile Glasfasern, Keramikfasern und
  • Fasern für Spezialzwecke (Glas-Mikrofasern).



Die Eigenschaften sind:
  • Nicht brennbar
  • Sehr gute Wärmedämmwirkung
  • Zum Teil Verspinnbarkeit (textile Glasfasern)
  • Beständig gegen Hitze
  • Relativ beständig gegen Wasser und Chemikalien

KMF werden künstlich aus Glas-, Gesteins- oder Schlackeschmelzen durch Ziehen, Blasen oder Schleudern hergestellt. Es entstehen Fasern mit einer Dicke von 2 bis 20 µm.
Im Gegensatz zum natürlich vorkommenden, kristallinen Asbest brechen alle Mineralfasern quer. Das heißt sie verkürzen sich und es bildet sich in der Regel nichtfasriger Staub statt lungengängigen Fasern wie bei Asbest.

Verwendung
Im Wärme- und Schallschutz, beispielsweise in
  • Innenwänden/Leichtbauwänden,
  • in Akustikdecken,
  • in Fußböden,
  • im Dachausbau,
  • für Außenfassaden,
  • als Trittschalldämmung unterm Estrich,
  • in mineralfaserhaltigem Putz,
  • als Wärmedämmung in Rollladenkästen.
  • Im Brandschutz, z.B. beim Fassadenbau oder für Spritzisolierungen.

Wanddämmung mit Steinwolle


Dachflächendämmung mit Glaswolle

Gesundheitsgefährdung
Eine gesundheitsschädigende Wirkung kann bei KMF durch Einatmen auftreten. Vor allem dann, wenn die Fasern kritische Abmessungen aufweisen:
Länge kleiner als 5 µm, Durchmesser kleiner als 3 µm,
Verhältnis Länge : Durchmesser gößer als 3 : 1.

Ähnlich wie bei Asbest wirken sie dann krebserzeugend.
Auch im Feinstaubbereich, bei Faserlängen kleiner als 1 µm, sind sie besonders schädlich für die Lunge.
Bei Hautkontakt können KMF Juckreiz auslösen.

Um das Gesundheitsrisiko zu senken, bietet die Industrie inzwischen KMF mit verbesserter Biolöslichkeit an.

Solche Fasern lösen sich bei Kontakt mit Körperflüssigkeit relativ schnell auf und verlieren so ihr krebserzeugendes Potenzial.

Allerdings sind ja bisher Unmengen von Mineralfaserdämmstoffen überall verbaut worden.
Und bei jeder Bau- oder Renovierungsmaßnahme werden die Fasern der früher verbauten Materialien wieder frei!

Grenz- und Richtwerte
TRK-Wert am Arbeitsplatz: 500.000 Fasern/m³
Hintergrundwert für Innenräume: 1.000 Fasern/m³.
TRK heißt Technische Richtkonzentration (TRK).
Der TRK-Wert richtet sich nicht nach gesundheitlichen Maßgaben sondern danach, was nach dem derzeitigen Stand der Technik möglich ist, also welche Konzentration eines Stoffes aus technischen Gründen nicht weiter vermindert werden kann. 

Eventuell empfiehlt es sich auch eine Bestimmung des KI-Wertes vorzunehmen.
KI-Wert Einstufung
KI-Wert <= 30 K2 - "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten"
30 < KI-Wert < 40 K3 - "Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlaß zur Besorgnis geben"
KI-Wert >= 40 keine Einstufung als krebserzeugend

1994 hat der Ausschuß für Gefahrstoffe eine Empfehlung für die offizielle Einstufung im Gefahrstoffrecht unterbreitet. Danach soll für alle KMF eine Bewertung auf der Grundlage eines Kanzerogenitätsindex - abgeleitet aus der chemischen Zusammensetzung - vorgenommen werden.
Der Kanzerogenitätsindex gilt zwar nach dem deutschen Gefahrstoffrecht als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis, ist allerdings nicht unumstritten.
Kritiker wenden ein, daß er nicht die Biolöslichkeit selbst, sondern - indirekt über die chemische Zusammensetzung - lediglich als deren Indikator das kanzerogene Potential der jeweiligen Faser beschreibt.


Die Mineralwolle-Industrie hat wiederholt ihren Standpunkt bekräftigt, daß KMF nicht krebserzeugend seien ('Keine Gefahr für den Menschen').
Alle von den Herstellern vorgenommenen Einstufungen stellen aber keinen 'Freispruch' der KMF dar, da auch eine Einstufung als nicht krebserzeugend nach derzeitiger Rechtslage eine Selbsteinstufung eines Gefahrstoffes darstellt. Eine gemeinsame Stellungnahme einer Arbeitsgruppe aus BGA, BAU und UBA anläßlich des VDI/DIN-Kolloquiums 'Faserförmige Stäube' 9/1993 in Fulda besagt:
'Es bestehen hinreichende Anhaltspunkte zu der begründeten Annahme, daß die Exposition eines Menschen gegenüber Glaswollfasern und Steinwollfasern Krebs erzeugen kann.' 

Bei Arbeiten mit Mineralfaserwerkstoffen, egal ob alte oder moderne, sollten Sie immer auf ausreichenden Atemschutz achten!


So eine Maske reicht auf keinen Fall!


Sie sollten eine Ganz- oder Halbmaske verwenden mit Partikelfilter der Klasse P2 oder P3!

Probennahme als Kontakt- oder Materialprobe, Staub oder als Material auf Filtermedium.


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